Antonelli schreibt Geschichte in Suzuka
Was für ein Spektakel auf dem legendären Suzuka International Racing Course! Kimi Antonelli hat mit einer beeindruckenden fahrerischen Leistung den Großen Preis von Japan gewonnen und damit den zweiten Sieg in Folge für Mercedes eingefahren. Mit diesem Erfolg übernimmt der 19-Jährige nicht nur die Führung in der Weltmeisterschaft, sondern schreibt als jüngster WM-Spitzenreiter der Formel-1-Geschichte auch noch ein Stück Motorsport-Historie.
Der Start: Rückschlag für den Pole-Setter
Dabei sah es zu Beginn alles andere als nach einem Triumph für das italienische Supertalent aus. Antonelli kam von der Pole Position extrem schlecht weg, hatte mit starkem Wheelspin zu kämpfen und fiel bis auf den sechsten Rang zurück. Die Nutznießer waren Oscar Piastri im McLaren und Charles Leclerc im Ferrari, die sich sofort an die Spitze setzten. Auch George Russell verlor Plätze und musste sich mühsam wieder nach vorne arbeiten.
Die Wende: Safety Car und Strategie-Glück
Das Rennen nahm in Runde 24 eine dramatische Wendung, als Oliver Bearman (Haas) nach einer Fast-Kollision mit dem Alpine von Franco Colapinto schwer verunglückte. Ein 50G-Einschlag in die Barrieren löste sofort eine Safety-Car-Phase aus. Glück im Unglück: Bearman konnte das Medical Center nach ersten Checks mit nur leichten Prellungen verlassen.
Für Antonelli kam das Safety Car zum perfekten Zeitpunkt. Während die Konkurrenz bereits gestoppt hatte oder unter Grün stoppen musste, konnte der Mercedes-Youngster seinen Pflichtstopp unter Gelb absolvieren und so die Führung übernehmen.
Das Finale: Mercedes-Duelle und Ferrari-Stallkrieg
In der Schlussphase demonstrierte Antonelli die überlegene Pace seines Mercedes und fuhr einen komfortablen Vorsprung von über 15 Sekunden auf Oscar Piastri heraus. Dahinter tobte ein erbitterter Kampf um das Podium. Charles Leclerc lieferte sich ein hartes Rad-an-Rad-Duell mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton. Am Ende setzte sich der Monegasse durch und sicherte Ferrari den dritten Platz.
Enttäuschung herrschte dagegen bei George Russell: Der Brite, der als WM-Führender nach Japan gekommen war, klagte über Set-up-Probleme und musste sich am Ende mit Rang vier begnügen. Max Verstappen erlebte einen weiteren Nachmittag zum Vergessen; der Red-Bull-Pilot kam nicht über den achten Platz hinaus und kritisierte am Funk lautstark die Fahrbarkeit seines Wagens.
Fazit
Mit diesem Sieg untermauert Mercedes seine Ambitionen auf beide WM-Titel im Jahr 2026. Kimi Antonelli führt die Wertung nun mit 72 Punkten vor George Russell (63) an. Die Formel 1 verlässt Asien mit einem neuen Star, der die alte Garde zunehmend unter Druck setzt.
Endlich vollzählig: Piastris furiose Rückkehr
Ein besonderes Aufatmen ging bereits vor dem Erlöschen der Ampeln durch das Fahrerlager: Zum ersten Mal in der noch jungen Saison 2026 konnten alle 22 gemeldeten Fahrer den Grand Prix tatsächlich auf der Strecke aufnehmen. In den ersten beiden Saisonstationen hatten technische Zuverlässigkeitsprobleme – bedingt durch das komplexe neue Reglement – immer wieder für Lücken in der Startaufstellung gesorgt.
Im Fokus stand dabei vor allem Oscar Piastri. Der Australier erlebte einen Saisonstart zum Vergessen: In Melbourne schied er nach einem Crash noch vor dem Start aus, in Shanghai streikte die Technik seines McLarens bereits auf dem Weg in die Startaufstellung.
„Es fühlte sich an wie der erste Schultag, nur dass er erst im März stattfindet,“ scherzte Piastri nach dem Rennen. Dass er bei seinem ersten tatsächlichen Rennstart des Jahres direkt auf den zweiten Platz fuhr, unterstreicht seine Ambitionen: „Nach dem Pech der letzten Wochen ist dieses Podium eine riesige Erleichterung für das ganze Team.“
Hülkenberg schrammt knapp an den Punkten vorbei
Für den deutschen Routinier Nico Hülkenberg verlief das Japan-Wochenende nicht ganz nach Plan. Nachdem er im Qualifying mit Startplatz 13 haderte – er selbst bezeichnete seine Q2-Runde gewohnt offen als „Käse“ – kämpfte er sich im Rennen zwar zeitweise bis auf die Punkteränge vor, beendete den Grand Prix aber letztlich auf dem undankbaren 11. Platz.
- Strategie-Pech: Wie schon beim Saisonauftakt in China kostete eine nicht optimale Boxenstopp-Phase wertvolle Zeit. Hülkenberg steckte nach seinem Wechsel auf die harten Reifen lange im DRS-Zug hinter dem Racing Bull von Liam Lawson fest.
- Stimmen zum Rennen: „Die Pace war eigentlich da, um um P9 oder P10 zu kämpfen“, gab Hülkenberg nach dem Rennen zu Protokoll. „Aber in Suzuka ist das Überholen ohne massiven Reifenvorteil extrem schwierig. Wir nehmen die positiven Erkenntnisse über die Standfestigkeit des Audi mit, aber es wurmt natürlich, so knapp an den Zählern vorbeizuschrammen.“
Während sein junger Teamkollege Gabriel Bortoleto (P13) ebenfalls leer ausging, zeigt der Trend bei Audi dennoch nach oben. Das Team scheint sich fest im dicht gestaffelten Mittelfeld etabliert zu haben, wartet aber weiterhin auf den großen Durchbruch in die Top 10 bei den asiatischen Rennen.
Aussage von Kimi Antonelli nach dem Rennen:
Es ist ein tolles Gefühl, meinen zweiten Sieg einzufahren! Ich hatte einen schlechten Start von der Pole Position und habe mich geärgert, dass wir so viele Positionen verloren haben. Als wir dann aber auf den Medium-Reifen freie Fahrt hatten, konnte ich mein Tempo deutlich steigern. Wir hatten Glück mit dem Zeitpunkt des Safety Cars, der uns an die Spitze brachte; das hat mir das Leben sehr erleichtert! Wer weiß, was ohne das passiert wäre, aber ich hatte das Gefühl, dass wir heute auch ohne das die Geschwindigkeit hatten, um um den Sieg mitzukämpfen. Das ist die beste Art, in diese kleine Saisonpause zu gehen. Ich werde den Moment genießen, aber die Zeit gut nutzen, um an den Bereichen zu arbeiten, in denen ich mich verbessern kann. Als Team wissen wir, dass wir uns trotz der Siege in den ersten drei Rennen weiter steigern müssen. Wir hatten heute einen echten Kampf und wissen, dass es nicht einfach sein wird, diese Form beizubehalten. Wir freuen uns darauf, die Zeit vor Miami gut zu nutzen und uns hoffentlich in eine starke Position zu bringen, sobald die Saison wieder aufgenommen wird.