Norris sichert sich die Bestzeit im chaotischen Abschlusstraining
Der Samstag beim Großen Preis von Kanada lieferte ein packendes drittes Freies Training (FP3), das von intensiven Rundenzeiten und dramatischen Zwischenfällen geprägt war. Am Ende der einstündigen Session thronte Lando Norris im McLaren an der Spitze der Zeitenliste, dicht gefolgt von seinem Rivalen Charles Leclerc im Ferrari und George Russell im Mercedes. Für seinen Teamkollegen Oscar Piastri im Red Bull endete die Session indes mit einer Kollision.
Die Sonne strahlte über Montreal, und die Temperaturen stiegen an, was den Teams eine weitere wertvolle Stunde auf dem Circuit Gilles-Villeneuve bescherte, um ihre Boliden für das entscheidende Qualifying abzustimmen.
Der Sessionverlauf im Detail:
Der Tag begann mit einer besonderen Herausforderung für Charles Leclerc im Ferrari. Nachdem er bereits im ersten Freien Training rund 45 Minuten aufgrund eines Unfalls verloren hatte und das gesamte FP2 aussetzen musste, da die Mechaniker das Chassis seines SF-25 wechseln mussten, stand ihm ein Mammutprogramm bevor. Auch Lokalmatador Lance Stroll im Aston Martin hatte nach seinem Unfall im zweiten Training und einer kürzlich erfolgten Handgelenksoperation wertvolle Streckenkilometer aufzuholen.
Die anfänglichen Minuten des FP3 zeigten eine breite Palette an Strategien, da die Teams die Reifenoptionen für das Qualifying evaluierten. Die Frage, ob der weiche oder mittlere Reifen die bessere Wahl sein würde, blieb offen, da der Unterschied zwischen Pirellis C5- und C6-Mischungen erneut minimal schien.
Nach etwa einem Viertel der Session setzte sich Leclerc im Ferrari an die Spitze der Zeitenliste. Mit einem 1:12.843 auf den gelb markierten Medium-Reifen führte er das Feld an, während das Aston Martin-Duo Fernando Alonso und Lance Stroll nur wenige Zehntel dahinter auf den roten Soft-Reifen folgten.
Dann kam es zu einer Serie von Zwischenfällen, die für Aufregung sorgten. Zunächst hatte der WM-Führende Oscar Piastri im Red Bull einen Kontakt mit der Mauer in der letzten Schikane, was zu einem Reifenschaden führte. Kurz darauf erwischte auch Nico Hülkenberg im Kick Sauber die Mauer und drehte sich komplett. Diese Vorfälle führten zu einer kurzen Unterbrechung unter Roten Flaggen, um Trümmer von der Strecke zu räumen. Piastri und Hülkenberg mussten vorübergehend aus der Boxengasse zuschauen.
Nach der Wiederaufnahme des Trainings purzelten die Rundenzeiten. George Russell im Mercedes übernahm die Führung mit einer beeindruckenden 1:11.950 auf den weichen Reifen. Ihm folgten Lewis Hamilton im Ferrari und Lando Norris im McLaren, die beide auf Medium-Reifen unterwegs waren. Max Verstappen im Red Bull schob sich trotz seiner Klagen über die Bremsleistung auf den vierten Platz.
Ein letztes Aufbäumen auf den weichen Reifen in den Schlussminuten brachte Lando Norris im McLaren an die absolute Spitze. Seine saubere Runde von 1:11.799 war knapp eine Zehntelsekunde schneller als die Zeit des sich erholenden Charles Leclerc im Ferrari und eine weitere Zehntel vor dem FP2-Schnellsten George Russell im Mercedes.
Lewis Hamilton im Ferrari machte es mit Rang vier zu einem starken Auftritt für die Scuderia. Dahinter folgten Max Verstappen im Red Bull, Fernando Alonso im Aston Martin und der andere Mercedes-Pilot Kimi Antonelli. Oscar Piastri im McLaren, der nach seinem Unfall wieder auf die Strecke zurückkehren konnte, belegte den achten Platz, gefolgt vom Williams-Duo Carlos Sainz und Alex Albon.
Die Plätze 11 bis 13 wurden vom Racing Bulls-Duo Isack Hadjar und Liam Lawson sowie Pierre Gasly im Alpine belegt. Dahinter reihten sich Lance Stroll im Aston Martin, die Haas-Piloten Ollie Bearman und Esteban Ocon, und Franco Colapinto, der eine deutlich sauberere Session zeigte. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto im Kick Sauber belegten die Plätze 18 und 19. Yuki Tsunoda im Red Bull bildete das Schlusslicht, nachdem er den Großteil der Session in der Garage verbracht hatte, wo Mechaniker an seinem Boliden arbeiteten. Eine bittere Pille für den Japaner: Er erhielt später eine 10-Plätze-Startplatzstrafe für das Rennen, wegen eines Rot-Flaggen-Verstoßes in dieser Session.