Lando Norris hat den Großen Preis von Ungarn gewonnen und McLaren damit den ersten Saisonsieg beschert. Der Weltmeister startete von der Pole Position, verlor die Führung aber schon in der ersten Runde an seinen Teamkollegen Oscar Piastri und musste sich den Sieg über die volle Distanz von 70 Runden erarbeiten. Nach dem entscheidenden Boxenstopp lag Norris wieder vorn und fuhr bei Lufttemperaturen um die 30 Grad einen Vorsprung von gut 15 Sekunden heraus.
Zweiter wurde Max Verstappen im Red Bull, Dritter WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli, der seine Führung in der Gesamtwertung damit weiter ausbaute. Charles Leclerc und Lewis Hamilton komplettierten die Top-Fünf, wobei Hamilton eine späte Zeitstrafe noch den vierten Rang kostete. Oscar Piastri schied 14 Runden vor Schluss von Position zwei aus.
Start: Führungswechsel schon in Kurve 2
Norris kam von der Pole am besten weg und bog als Erster in Kurve 1 ein. Wenige Meter später war die Führung jedoch schon wieder weg: Norris fuhr in Kurve 2 eine weite Linie, Piastri nutzte die Lücke innen und übernahm die Spitze. Max Verstappen kam nach einer leichten Berührung mit Lewis Hamilton am Ausgang von Kurve 2 als Dritter aus der ersten Runde zurück, dahinter folgten Hamilton, Leclerc und Antonelli.
Bitter lief der Start für George Russell. Der Mercedes-Pilot kam von Startplatz sechs schlecht weg, verlor zahlreiche Positionen und wurde nach der ersten Runde nur als 18. geführt.
Bei der Reifenwahl ging das Ferrari-Duo einen eigenen Weg: Hamilton und Leclerc starteten auf der weichen Mischung, die übrige Spitzengruppe setzte auf Medium. Insgesamt begannen sechs Fahrer das Rennen auf Softs, neben den beiden Ferrari waren das Gabriel Bortoleto, Carlos Sainz sowie das Aston-Martin-Duo Fernando Alonso und Lance Stroll.
Erste Stint-Phase: Verstappens Überraschungsangriff
Hamilton war in Runde 13 der erste Fahrer der Spitzengruppe an der Box und wechselte auf harte Reifen. Als Neunter zurück auf der Strecke, kassierte er sofort in Kurve 5 den Rookie Arvid Lindblad. Verstappen folgte eine Runde später und fiel dadurch zunächst hinter Hamilton zurück – doch nur zwei Runden danach holte sich der Niederländer die Position mit einem sehenswerten Angriff in Kurve 1 zurück. Sein Renningenieur Gianpiero Lambiase zeigte sich am Funk beeindruckt.
Während die McLaren-Piloten ihre erste Stopp-Serie ohne interne Positionsänderung absolvierten, führte Antonelli das Rennen einige Runden lang an, ehe er selbst in Runde 22 abbog.
Sehenswert war in dieser Phase auch die Aufholjagd von Russell: In den ersten gut 20 Runden machte der Brite elf Positionen gut, teils durch eigene Überholmanöver, teils durch die Stopps der Konkurrenz. Als letzter Fahrer im Feld kam er in Runde 27 von Rang sieben an die Box und verlor dabei nur zwei Plätze an Isack Hadjar und Bortoleto.
Die Vorentscheidung: Kollision und Overcut
Piastri führte weiterhin, kam in Runde 33 zum zweiten Stopp und reihte sich als Fünfter direkt vor Hamilton wieder ein. Kurz darauf folgte die Szene, die das Rennen kippte: Beim Überrunden von Carlos Sainz berührten sich die beiden am Ausgang von Kurve 2. Sainz war direkt in Piastris Spur gefahren, der Australier konnte den Kontakt nicht mehr vermeiden. Die Rennkommissare belegten Sainz dafür mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden.
Norris blieb sechs Runden länger draußen als sein Teamkollege und kam nach seinem Stopp in Runde 39 vor Piastri zurück auf die Strecke – der Overcut saß. Dass Piastri nach dem Kontakt mit Sainz wertvolle Zehntelsekunden eingebüßt hatte, spielte dabei eine wichtige Rolle. Auffällig war anschließend, dass Piastri das Tempo von Norris nicht mehr mitgehen konnte: 15 Runden vor Schluss trennten die beiden McLaren bereits mehr als zwölf Sekunden.
Piastri-Aus und Virtuelles Safety-Car
In Runde 56 endete das Rennen für Piastri endgültig: Von Position zwei rollte er mit einem Getriebeschaden aus. Die daraus folgende Phase mit Virtuellem Safety-Car nutzten Norris, Hamilton und Leclerc für einen dritten Boxenstopp, während der Rest der Spitzengruppe draußen blieb. Norris behielt die Führung, Verstappen rückte auf Rang zwei vor, Antonelli auf Rang drei.
Auch für Cadillac verlief der Renntag ohne Zielankunft. Valtteri Bottas musste seinen Wagen früh mit einem technischen Defekt abstellen, Sergio Pérez strandete nach 48 Runden mit einer kollabierten linken Vorderradaufhängung.
Strafen: Hamilton verliert Platz vier
Die auffälligste Strafentscheidung traf Lewis Hamilton. Gegen den Ferrari-Piloten wurde wegen des Verdachts auf eine Überschreitung des Tempolimits in der Boxengasse ermittelt, das Urteil lautete auf fünf Sekunden Zeitstrafe. Weil das Rennen bereits im letzten Stint lief, wurde die Strafe auf seine Rennzeit aufgeschlagen. Auf der Strecke überquerte Hamilton die Ziellinie als Vierter, fiel durch die Strafe aber hinter Teamkollege Leclerc auf Rang fünf zurück. Über Funk reagierte er verärgert und warf den Kommissaren vor, Strafen am laufenden Band zu verteilen.
Eine weitere Zeitstrafe von fünf Sekunden ging an Oliver Bearman, der blaue Flaggen ignoriert hatte. Das Thema Überrundungen beschäftigte das Fahrerlager auch darüber hinaus: Mercedes-Teamchef Toto Wolff kritisierte das Verhalten der Nachzügler nach dem Rennen deutlich. Dazu kam die bereits erwähnte Fünf-Sekunden-Strafe für Carlos Sainz nach dem Kontakt mit Piastri.
Kampf um die letzten Punkteränge
Spannend blieb es bis zum Schluss am Ende der Top-Ten. Die beiden Racing Bulls duellierten sich lange um die Plätze acht und neun. Als Verstappen zur Überrundung von Arvid Lindblad ansetzte, nutzte Liam Lawson die Gelegenheit und zog an seinem Teamkollegen vorbei. Lindblad verlor anschließend noch eine weitere Position.
Hülkenberg punktet erstmals in dieser Saison
Nutznießer war Nico Hülkenberg, der als Neunter ins Ziel kam und damit seine ersten WM-Punkte der Saison einfuhr. Für Audi sind es zwei Zähler und ein sichtbarer Fortschritt nach einem Wochenende, an dem der Deutsche schon im Qualifying den Sprung in die Top-Ten geschafft hatte. Damit stehen nur noch Lance Stroll sowie das Cadillac-Duo Sergio Pérez und Valtteri Bottas ohne Punkte da.
Zahlen und Fazit
Die schnellste Rennrunde ging an Charles Leclerc, der in Runde 58 eine 1:22,000 stehen ließ. Norris ist zudem der erste Fahrer seit 2020, der den Großen Preis von Ungarn wieder von der Pole Position aus gewonnen hat.
In der Fahrerwertung führt Kimi Antonelli mit 219 Punkten vor Lewis Hamilton (169) und George Russell (160). Sieger Norris liegt als WM-Fünfter zehn Punkte hinter Leclerc. Bei den Konstrukteuren bleibt Mercedes mit 379 Punkten vorn, dahinter folgen Ferrari (307) und McLaren (220).
Der Ungarn-Grand-Prix war das letzte Rennen vor der Sommerpause. Weiter geht es Ende August in Zandvoort.