Charles Leclerc hat das erste freie Training zum Großen Preis der USA gewonnen und dem neuen Ferrari-Unterboden einen gelungenen Einstand verschafft. Max Verstappen war auf einer Runde eigentlich schneller, verlor diese Zeit aber wegen einer Überschreitung der Streckenbegrenzung in Kurve 19 und landete knapp dahinter auf Rang zwei. Lando Norris und das Mercedes-Duo komplettierten ein enges Spitzenfeld, während Williams mit einem Aerodynamik-Testprogramm am Tabellenende stand. Bei Cadillac saß Lokalmatador Colton Herta anstelle von Sergio Pérez im Cockpit.
Ferrari gibt früh den Takt vor
Ferrari reiste mit einem umfangreichen Update nach Texas, überarbeitet wurden Unterboden, Seitenkästen und Diffusor. Die ersten Eindrücke fielen positiv aus: Nach rund 20 Minuten lagen beide roten Autos auf der mittleren Reifenmischung an der Spitze, Leclerc hauchdünn vor Lewis Hamilton. Mit dem Wechsel auf die weichen Reifen legte der Monegasse in der zweiten Sessionhälfte noch einmal deutlich zu und stellte mit 1:36,052 die Bestzeit auf. Hamilton kam bei seinem ersten Versuch auf Soft-Reifen von der Ideallinie ab, geriet auf den staubigen Teil der Strecke und musste sich am Ende mit Platz sechs zufriedengeben.
Verstappen: Reibung in der Lenkung, Runde gestrichen
Der Red-Bull-Pilot startete mit Unbehagen in die Session. Bereits auf seinem ersten Run meldete Verstappen über Boxenfunk eine ungewohnte Reibung beim Einlenken, fuhr aber trotzdem gleich die erste Richtzeit. In der Schlussphase setzte er sich mit einer Runde unter 1:36 an die Spitze, doch die Zeit wurde wegen Tracklimits in Kurve 19 gestrichen. Mit seiner zweitbesten Runde fehlten ihm am Ende nur 84 Tausendstel auf Leclerc. Kritik übte der Niederländer an den Bodenwellen des Kurses.
Mercedes mit Problemen, Norris bester McLaren
George Russell klagte zwischenzeitlich über plötzliches Untersteuern und bat sein Team, den Frontflügel zu überprüfen. Auf der harten Reifenmischung arbeiteten sich er und Kimi Antonelli dennoch nach vorn und belegten schließlich die Plätze vier und fünf. Für den WM-Spitzenreiter, der an diesem Wochenende vorzeitig den Titel perfekt machen kann, war es ein unaufgeregter Auftakt. Lando Norris wurde als bester McLaren-Pilot Dritter, Oscar Piastri reihte sich auf Rang sieben ein.
Tracklimits als Dauerthema
Trotz neu angebrachter blauer Linien an den Kurvenausgängen zählte die Rennleitung 79 Verstöße gegen die Streckenbegrenzung. Neben Verstappen verloren auch Liam Lawson und Isack Hadjar Rundenzeiten. Für Hadjar, der gleich mehrfach betroffen war, blieb nur Platz 14, während Lawson als Zehnter knapp hinter seinem Racing-Bulls-Teamkollegen Arvid Lindblad landete.
Bortoleto glänzt im Mittelfeld
Gabriel Bortoleto, der zu Beginn mit großen Messgittern am Audi unterwegs war, sicherte sich als bester Fahrer hinter den vier Topteams einen starken achten Platz. Nico Hülkenberg kam im zweiten Audi nach 21 Runden nicht über Position 18 hinaus und lag dabei nur eine Tausendstelsekunde hinter Franco Colapinto.
Herta im Cadillac, Williams im Testmodus
Colton Herta absolvierte seinen vierten Freitagseinsatz der Saison auf jener Strecke, auf der er einst seinen ersten IndyCar-Sieg feierte. Der Amerikaner drehte 21 Runden und wurde 21., knapp neun Zehntel hinter Teamkollege Valtteri Bottas. Williams verzichtete bewusst auf die Zeitenjagd: Carlos Sainz und Alex Albon sammelten Aerodynamikdaten für die Entwicklung des FW50 für 2027 und setzten als einziges Team keine weichen Reifen ein. Sainz wurde 19., bei Albon wurden sämtliche repräsentativen Runden wegen Tracklimits gestrichen, sodass er Letzter blieb.
Softwaretest zum Abschluss
In der Schlussphase konzentrierten sich die meisten Teams auf Longruns mit höherer Tankfüllung, bei denen Hamilton und Norris einen starken Eindruck hinterließen. Auf der Auslaufrunde folgte ein ungewöhnliches Bild: Bei Kurve 15 testeten die Fahrer auf Anweisung der FIA einen Low-Grip-Modus der Antriebssoftware, eine Reaktion auf die Probleme beim Regenrennen in Malaysia.