Lando Norris hat das erste freie Training zum Großen Preis von Brasilien mit dem aufgerüsteten McLaren gewonnen und den frisch gekrönten Weltmeister Kimi Antonelli um 82 Tausendstelsekunden auf Rang zwei verwiesen. Max Verstappen wurde Dritter, obwohl er mit Problemen an Schaltung und Lenkung kämpfte. Hamilton folgte auf Platz vier. Eine frühe rote Flagge nach dem Ausfall von Audi-Rookie Freddie Slater unterbrach die Session. Lokalmatador Rafael Câmara gab sein Formel-1-Debüt für Haas, und sechs Stammfahrer überließen ihr Cockpit Nachwuchspiloten.
Neues McLaren-Paket mit Bestzeit
McLaren ist mit einem umfangreichen Aerodynamik-Update nach Interlagos gekommen, und die erste Stunde macht Hoffnung. Norris hat das Rennen in São Paulo im Vorjahr gewonnen. Er steigerte sich im Lauf der Session stetig und fuhr in der Schlussphase auf der weichen Reifenmischung eine 1:11,717. Damit verdrängte er Antonelli, der kurz zuvor die Spitze übernommen hatte. Für das Team aus Woking ist das ein Lichtblick, nachdem es zuletzt an Boden verloren hatte.
Rote Flagge wegen Slater
Gleich zu Beginn musste Dino Beganovic dem Haas von Oliver Bearman ausweichen, der plötzlich vor ihm auftauchte. Danach zeigte sich, wie tückisch die Bremszone vor dem Senna-S war: Colton Herta, Lewis Hamilton, Lance Stroll und Alexander Albon verbremsten sich und mussten durch die Auslaufzone. Nach rund 13 Minuten verlor Freddie Slater im Audi zwischen den Kurven 6 und 8 den Vortrieb und blieb stehen, die Rennleitung zeigte die rote Flagge. Schon in Mexiko hatten technische Probleme Slaters Einsatz verkürzt. Hier kam er nur auf sieben Runden. Mit 40 verbleibenden Minuten wurde die Strecke wieder freigegeben.
Antonelli und Verstappen auf Soft
Antonelli setzte die erste Richtmarke auf Medium. Verstappen zog als erster Spitzenfahrer die Softs auf und übernahm die Führung. Am Funk nannte er das Herunterschalten „inakzeptabel“, später klagte er über eine Lenkung, die zu einer Seite schwerer ging als zur anderen. Antonelli verbremste sich beim ersten Soft-Versuch in Kurve 1, im zweiten Anlauf ging er an die Spitze. Kurz darauf antwortete Norris mit der Bestzeit. George Russell klagte als Fünfter über Untersteuern und wird nach einem Wechsel des Verbrennungsmotors fünf Startplätze zurückversetzt. Für Gesprächsstoff sorgte Arvid Lindblad: Er wich zwischen Kurve 7 und 8 in die Auslaufzone aus, um Antonelli und Verstappen vorbeizulassen. Am Funk begründete er das ausdrücklich mit Sicherheitsgründen.
Sechs Stammfahrer machen Platz
Gabriele Minì überzeugte im Alpine von Pierre Gasly als Siebter. Leonardo Fornaroli vertrat Oscar Piastri bei McLaren, testete viel mit den neuen Frontflügeln und landete auf Rang elf. Colton Herta (Cadillac, für Sergio Pérez) holte den letzten fehlenden Superlizenzpunkt. Luke Browning kam im Williams von Carlos Sainz nur auf zwölf Runden. Beganovic fuhr anstelle von Charles Leclerc, der kürzlich Vater geworden ist, und verlor Zeit, weil am Ferrari zwischenzeitlich der Unterboden abgenommen wurde. Nico Hülkenberg überließ sein Cockpit Slater.
Heimdebüt für Câmara
Der Formel-2-Tabellenführer Rafael Câmara ersetzt bei Haas kurzfristig Esteban Ocon. Er rollte bei Grün sofort aus der Box, absolvierte 30 Runden und wurde 18. Gabriel Bortoleto begeisterte die heimischen Fans mit Rang acht. Hinter ihm komplettierten Franco Colapinto und Liam Lawson die Top 10.
Technische Sorgen bei Williams und Haas
Albon verlor die Servolenkung, rettete sich in den Notausgang an der Junção und löste eine kurze Gelbphase aus. Für ihn war die Session rund 20 Minuten vor Schluss beendet. Auch Bearman musste mit einem technischen Problem an die Box.
Startplatz-Gerangel zum Abschluss
Für Aufregung sorgten am Ende der Session Max Verstappen und Lance Stroll. Beim Probestart auf der Start-Ziel-Geraden wollten beide an dieselbe Stelle. Red Bull hatte Verstappen angewiesen, nach zwei Burnouts auf der rechten Seite zu starten, die auf der Ideallinie liegt und deshalb mehr Grip bietet. Stroll versuchte, sich genau diesen Platz zu sichern, doch Verstappen zog wieder an ihm vorbei. Der Kanadier musste ausweichen, um eine Berührung zu vermeiden, und machte seinen Probestart schließlich auf der schmutzigeren linken Seite.