Nur wenige Tage nach seinem Titelgewinn in Mexiko-Stadt hat Kimi Antonelli das zweite Freie Training zum Großen Preis von Brasilien gewonnen. Der Mercedes-Pilot unterbot als Einziger die Marke von 1:11 und verwies Lando Norris und Max Verstappen auf die Plätze zwei und drei. Für Aufregung sorgte eine Schrecksekunde zwischen Charles Leclerc und Haas-Debütant Rafael Câmara, die die Rennkommissare nach der Session untersuchen. Nico Hülkenberg kam nach einem Defekt an seinem Audi am gesamten Freitag nicht zum Fahren.
Antonelli dreht den Spieß um
Im ersten Training hatte noch Norris vorne gelegen, am Abend antwortete der frischgebackene Weltmeister. Antonelli setzte schon in der Anfangsphase auf der harten Reifenmischung die Referenz. Kurz vor Halbzeit der Session fuhr er auf Soft 1:10,763, und diese Zeit hatte bis zum Ende Bestand. Ganz reibungslos lief es aber auch für ihn nicht. Der Italiener klagte über heftiges Aufsetzen auf den berüchtigten Bodenwellen und verbremste sich in Kurve 1 mit beiden Vorderrädern. Zuvor hatten dort bereits Lewis Hamilton, George Russell, Liam Lawson, Fernando Alonso und Sergio Pérez Bremsplatten riskiert.
Drei Verfolger auf engstem Raum
Dahinter ging es äußerst knapp zu. Russell übernahm mit seinem ersten Versuch auf Soft kurzzeitig die Spitze. Danach legten Norris im McLaren mit neuem Frontflügel und Verstappen nach: Am Ende trennten die drei nur zwei Hundertstelsekunden. Verstappen sorgte zwischendurch mit Funksprüchen über die Kupplung seines Red Bull für Schmunzeln. Rund fünf Minuten vor Schluss steuerte er die Box an, weil das Auto auf der Geraden nicht ruhig lag. Oscar Piastri komplettierte die Top 5. Für Russell wird der Sonntag ohnehin schwierig, denn nach einem Wechsel an der Antriebseinheit muss er eine Strafversetzung von fünf Startplätze hinnehmen.
Schrecksekunde für Leclerc
Ferrari kam mit Hamilton auf Rang sechs und Leclerc auf Rang sieben nicht an die Spitze heran. Die Scuderia hatte Mühe, die Reifen ins richtige Temperaturfenster zu bringen, und Leclerc meldete zudem Probleme mit den Bremsen. Auf seiner schnellen Runde traf der Monegasse bergauf zur Start-Ziel-Geraden auf den deutlich langsameren Câmara. Leclerc musste ausweichen, kam dabei gefährlich nahe an die Mauer und verlor rund zwei Zehntel. Die Rennkommissare prüfen den Vorfall nach der Session als mögliche Behinderung.
Heimspiel mit Licht und Schatten
Gabriel Bortoleto wurde wie schon am Nachmittag Achter und war damit vor heimischem Publikum der beste Fahrer aus dem Mittelfeld. Câmara bestreitet sein erstes Grand-Prix-Wochenende, nachdem Haas Esteban Ocon für den Rest der Saison aus dem Cockpit genommen hat. Der Ferrari-Junior und Tabellenführer der Formel 2 steigerte sich gegenüber dem ersten Training um mehr als eine Sekunde und wurde 16. Sein Teamkollege Oliver Bearman landete auf Rang zehn, knapp vor Franco Colapinto und den beiden Racing Bulls. Bei Williams beklagte sich Alexander Albon über ein unruhiges Auto. Cadillac belegte mit Pérez und Valtteri Bottas die letzten beiden Plätze.
Zwangspause für Hülkenberg
Bei Audi hatte Nachwuchsfahrer Freddie Slater im ersten Training Hülkenbergs Auto übernommen, wurde aber von einem Defekt gestoppt. Das Team bekam das Problem bis zum Beginn der zweiten Session nicht in den Griff. So musste Hülkenberg, der in Interlagos 2010 seine bislang einzige Pole-Position geholt hat, zuschauen. Ihm bleibt vor dem Qualifying nur noch das dritte Training.
Longruns bei einsetzendem Nieselregen
Im letzten Drittel standen die Rennsimulationen im Mittelpunkt. Leichter Nieselregen zog über die Strecke, eine Unterbrechung gab es aber nicht. Piastri zeigte auf Soft das stärkste Tempo über mehrere Runden, knapp vor den beiden Mercedes. Verstappen fuhr seinen Longrun auf der mittleren Mischung über eine längere Distanz und war dabei etwas langsamer.