Das erste Formel-1-Qualifying auf dem neuen Madring endete mit einer Überraschung: Lando Norris entriss Topfavorit Kimi Antonelli mit einer 1:31,824 noch die Poleposition, während Max Verstappen von Startplatz drei ins Rennen geht. Lange hatte es nach einer anderen Schlagzeile ausgesehen, denn Lewis Hamilton führte nach den ersten Q3-Runs mit 1:32,079 das Feld an, fiel am Ende aber auf Rang vier zurück. Für die spanischen Zuschauer gab es dagegen früh lange Gesichter: Carlos Sainz und Fernando Alonso schieden bereits in Q1 aus, Oliver Bearman und Lance Stroll setzten überhaupt keine Zeit.
Q1: Mauerkontakt bei Mercedes, Aus für die Lokalmatadoren
Die enge Streckenführung forderte sofort ihren Tribut. Antonelli rutschte in Kurve 17 in die Auslaufzone, Russell wurde zwischen Kurve 20 und 21 nach außen getragen und touchierte die Mauer – per Boxenfunk meldete er den Kontakt umgehend. Beide Silberpfeile blieben unbeschädigt, Russell setzte sich mit 1:33,211 sogar an die Spitze des ersten Abschnitts, Antonelli folgte auf Rang zwei, Lawson überraschend als Dritter. Verstappen kam auf der härteren Reifenmischung durch. Bitter wurde es für die Gastgeber: Sainz fehlten fünf Tausendstel auf Teamkollege Alexander Albon, Alonso schied als 18. aus. Ohne gezeitete Runde blieben Bearman, dessen Chassis nach dem Abschlusstraining nicht rechtzeitig repariert werden konnte, und Stroll, den ein Problem mit dem Wasserdruck in der Box festhielt.
Q2: Verstappen setzt das Ausrufezeichen
Verstappen unterbot als Erster die Bestmarken des Mercedes-Duos und beendete den zweiten Abschnitt vor Antonelli, Hamilton, Leclerc und Lawson. Die beiden Alpine brachen ihren ersten fliegenden Versuch ab und waren zur Halbzeit ohne Zeit, ehe Franco Colapinto den Sprung unter die Top 10 schaffte. Pierre Gasly, in der Vorwoche noch Polesetter, verlor im letzten Sektor deutlich Zeit auf seinen Teamkollegen, klagte über fehlenden Grip und schied als 14. aus.
Hülkenberg scheitert um Haaresbreite
Nico Hülkenberg lag nach dem ersten Run noch auf einem sicher scheinenden neunten Platz, musste sich nach den Steigerungen von Colapinto und Arvid Lindblad aber um 0,019 Sekunden geschlagen geben. Mit 1:33,223 blieb dem Audi-Piloten der undankbare elfte Startplatz, immerhin vor Teamkollege Gabriel Bortoleto.
Das Finale: eine Runde am Limit
Im entscheidenden Run drehte Antonelli auf: Mit der absoluten Bestzeit im ersten Sektor übernahm er in 1:31,835 die Führung. Dann kam Norris – und schob sich mit elf Tausendstel Vorsprung an die Spitze, obwohl er in der letzten Kurve nach außen rutschte und die Streckenbegrenzung touchierte; laut Teamchef Andrea Stella kostete der Fehler rund drei Zehntel. Für den amtierenden Weltmeister war es die dritte Pole der Saison und die 19. seiner Karriere. Verstappen fehlten 0,140 Sekunden, er monierte das Deployment im dritten Sektor. Hamilton kämpfte auf seiner letzten Runde mit Untersteuern, Leclerc wurde Fünfter, Russell nach einer Set-up-Änderung während der Session nur Sechster.
Ersatzpiloten und Nachspiel bei den Kommissaren
Liam Lawson saß zum dritten Mal in Folge im Red Bull, weil Isack Hadjar weiter an einer Handgelenksverletzung laboriert – der Neuseeländer qualifizierte sich als Achter. Sein Platz bei den Racing Bulls wird derweil von Reservist Yuki Tsunoda ausgefüllt, der als 15. deutlich hinter Rookie Lindblad blieb. Lindblad wiederum schaffte es trotz seines Unfalls im zweiten Freien Training in die Top 10. Nach dem Qualifying hatten die Rennkommissare reichlich zu tun: Antonelli, Leclerc und Bortoleto wurden wegen unnötig langsamen Fahrens am Ende von Q3 vorgeladen, Sainz wegen Behinderung von Valtteri Bottas, Russell wegen einer fehlerhaften Rückkehr auf die Strecke.